Depression – Teil I – geistige Unterdrückung

VonJudith Mücke

Depression – Teil I – geistige Unterdrückung

DSCF4577Beim Depressiv-Sein geht es immer um Formen von Unterdrückung. In meiner täglichen Praxis nehme ich depressive Zustände auf drei möglichen Ebenen wahr:

  • geistig: als quälende entmutigende abwehrende Gedanken

  • emotional: als unterdrückte verdichtete festgehaltene Gefühle

  • körperlich: als Erschöpfung, Entzündungen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Antriebs- und Kraftlosigkeit

Depression auf der geistigen Ebene

Wir erzeugen permanent Gedanken. Die Qualität unserer Gedanken hängt davon ab, wie wir geprägt wurden und welche Einflüsse wir in unserem Leben zugelassen haben. Aber auch davon, ob wir es gelernt haben, unsere Gedanken bewusst wahrzunehmen und sie zu steuern. Zwischen zerstörerischen, quälenden, entmutigenden, abwertenden, hinderlichen, schlechten, ablehnenden sowie abwehrenden Gedanken und aufbauenden, angenehmen, wertschätzenden, optimistischen, wohlwollenden sowie konstruktiven Gedanken, liegt ein weites Feld an qualitativen Möglichkeiten, die wir nutzen können. Während einer geistigen Depression haben wir uns für eine Ecke dieses Feldes entschieden: den negativen Bereich und unterdrücken von dort aus alle anderen geistigen Qualitäten. Hier klammert sich unser Verstand an Gedanken, die der Abwehr, der Verteidigung, dem Rückzug, der Abgrenzung, der Kampfbereitschaft und der Auflehnung dienen. Diese Gedankenformen sind nicht schlecht. Es gibt viele Situationen, in denen solche Gedanken absolut angemessen und authentisch sind. Doch wenn wir in ihnen steckenbleiben und uns selbst, dem Leben und unseren Mitmenschen unentwegt auf diese Weise begegnen, dann schaden uns derartige Gedanken indem sie uns unsicher, ängstlich, handlungsunfähig und traurig machen.

Um unser Denken aus der Negativecke heraus zu bekommen, können wir erst einmal wahrnehmen, was unser Verstand unentwegt produziert, indem wir ihm zuhören. Wir können auch darauf achten, was wir selbst sagen, wenn wir uns mit anderen Menschen unterhalten. Außerdem ist es sinnvoll zu hören, was wir um uns herum an Negativität aufnehmen. Umgeben wir uns mit Menschen, die alles schlecht machen? Entscheiden wir uns für Sendungen im Fernseher oder im Netz, in denen es um Elend, Krieg und Unglück geht? All diese Einflüsse füttern unseren Geist mit Negativität und motivieren unser Denken, deprimierende Gedanken zu produzieren. Haben wir heraus gefunden, welche Gedankenformen wir unbewusst bevorzugen, dann können wir unseren Verstand darauf aufmerksam machen, dass wir das so nicht mehr wollen.

Immer, wenn Ihnen auffällt, dass Sie aus alter Angewohnheit destruktive Gedanken erzeugen, dann sagen Sie zu der denkenden Stimme in ihrem Kopf: „Hey du, hör auf damit. Das stört mich. Es entmutigt, beklemmt und stresst mich.“ oder einfach nur: „Stopp, lass das.“ Sie werden bemerken, dass Ihr Denken sofort unterbrochen wird. Es entsteht eine Gedankenlücke. Jetzt können Sie ihrem Verstand Alternativen anbieten, denn wenn Sie das nicht tun, dann greift er gleich wieder nach den üblichen und bekannten Gedankenmustern. Sie können ihren Verstand beauftragen, den Tag zu planen oder ihn überlegen lassen, was Sie tun können, um sich heute etwas Gutes zu tun. Sie können ihm auch Fragen stellen. Zum Beispiel: „Warum führst du ein Gespräch weiter, das bereits beendet ist? Warum denkst du über andere Menschen nach und über Situationen, die du nicht ändern kannst? Warum malst du dir die Zukunft so finster aus? Woher weißt du denn, was passieren wird? Du kennst doch nur das, was hinter mir liegt?“

Helfen Sie Ihrem Verstand mit Fragen, um ihn aus seinen Grübeleien heraus zu begleiten: „Womit mache ich mir selber das Leben schwer? Was brauche ich, dass es mir in diesem Lebensbereich besser geht? Was will mich diese Situation lehren? Was gibt es zu lernen? Welchen Nutzen ziehe ich aus meinem Problem? Was hätte mir ein alter weiser Mann dazu zu sagen? Was will ich beweisen oder wo will ich meinen Willen durchsetzen? Will ich überhaupt etwas ändern? Welche Schritte wären nötig? Bin ich bereit sie zu gehen? Was wünsche ich mir am meisten? Wie kann ich meine Meinung und meine Bedürfnisse äußern, ohne anzugreifen oder zu fordern? Wie fühlt es sich an, wenn ich streng mit mir bin? Was nutzt mir mein hoher Anspruch: Gibt er mir Sicherheit? Will ich dadurch Liebe bekommen? Oder Anerkennung? Was fühle ich gerade?

Solange unser Geist keine dienende Haltung eingenommen hat, mit der er einen Weg ebnet, auf dem unsere Lebenssituationen sich zu unserem Wohle verändern kann, braucht er unsere Hilfe und Unterstützung. Wenn er autonom und abgegrenzt ist und unbewusste Monologe führt, dann führt uns das in Konflikte und erhält Lebenssituationen, die uns unglücklich machen. Wir brauchen gar nicht so sehr an unserem Denken herumdoktern, es reicht völlig aus, wenn wir es einfach nicht immer so allein vor sich hin plaudern lassen. Also: Immer mal „hallo“ nach oben sagen, wenn unser Geist mal wieder vernichtend oder pessimistisch auf unsere Realität reagiert.

Über den Autor

Judith Mücke editor

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