Vom Umgang mit den Inneren Kind – Teil III – Schutz

VonJudith Mücke

Vom Umgang mit den Inneren Kind – Teil III – Schutz

DSCF4645Wie können wir unser Inneres Kind schützen?

Vom Versuch, uns zu schützen

Im Grunde bewachen wir unsere Innere-Kind-Ebene pausenlos.

Für diesen Zweck setzen wir unterschiedlichste Strategien ein. Einige davon funktionieren sogar so gut, dass wir selbst, wenn wir es wollten, keinen Zugang mehr zu unseren Gefühlsebenen finden.

Muster und Angewohnheiten, mit denen wir unsere sensibelsten Ebenen schützen, können folgende sein:

grübeln, viel reden, sich ablenken, sich mit anderen Menschen beschäftigen, unentwegt anderen helfen wollen, anderen die Schuld geben, problematisieren, dramatisieren, sich betäuben, immer beschäftigt sein, funktionieren, immer lustig sein, distanziert sein, ausweichen, oberflächlich sein, spirituelle Abgehobenheit, sich ständig streiten, starkes Be- und Verurteilen, Scheinharmonien erzeugen, immer etwas wollen, besonders anspruchsvoll sein, trotzen, nicht abschalten können, Nervosität, Ehrgeiz, sich zurück ziehen, immer Ablenkung suchen u.v.m.

Diese Verhaltensweisen bewachen uns, indem sie uns davon abhalten, tiefer mit uns selbst in Kontakt zu kommen. Sie bewachen immer etwas in uns, was wir nicht fühlen wollen – meist früh erlittenen seelischen Schmerz. Manche Menschen haben einfach Angst davor oder es wird als zu heftig empfunden, was da tief in ihnen lauert oder aber es gibt eine grundlegende Ablehnung dagegen, sich mit den lästigen und ungeliebten Gefühlen anzufreunden. Es kann aber auch sein, dass es einfach eben so ist, nie darüber nachgedacht, nie davon gehört wurde, dass wir aus zwei oder mehreren Teilen bestehen: der, der schützt und der, der diesen Schutz braucht. Diese inneren Teilungen geschehen bei uns allen immer aus einer Not heraus, in einem Alter, in dem wir einfach keine andere Wahl haben. Schutz bedeutet hier auch, die Fähigkeit zu besitzen, zu vergessen was uns passiert ist und zu verbergen, wie es sich angefühlt hat. Unsere Wachmannschaften werden von Jahr zu Jahr stärker. Sie passen von sich aus unentwegt beharrlich auf. Und sie haben immer Grund dazu.

Würde ein Mensch plötzlich aufhören, sich schützend abzuschirmen, dann wäre er seinen Untiefen vollkommen ausgesetzt. Über ihn würden Zustände hereinbrechen, die durchaus unangenehm sein können. Dazu gehören:

Traurigkeit, Verlustschmerz, Verletzungen, Einsamkeit, Überforderung, Erschöpfung, sich klein und hilflos fühlen, wertlos sein, Orientierungslosigkeit, Traumata, Unverbundenheit, Spannungen, Zorn, jemanden etwas antun wollen, kein Kontakt zum Körper halten können, verloren sein, Schwere, schwarze Abgründe, nicht geliebt worden sein, Leere usw.

Der Nachteil bei dieser Form des Selbstschutzes (und ich kenne niemanden, der keine solche Kontrollinstanzen hat) ist der, dass wir viel Lebensenergie investieren müssen und dann trotzdem verletzt werden, müde und unglücklich werden und sich das Leben (unsere Seele) nicht so prall und vollständig durch uns entfalten kann.

Der Vorteil ist, dass wir uns auf diese Weise Stabilität und Halt geben und dass wir uns im Griff und unter Kontrolle haben. Diese Qualitäten sind für uns sehr wichtig. Vor allen, wenn uns Halt und Stabilität in unseren Kinderjahren gefehlt hat.

Der Versuch, uns zu schützen, ist ein Schutz, bei dem wir irgendwie drauf zahlen, einer, der uns eher beschränkt und begrenzt. Solange diese Form des Schutzes jedoch „erträglicher“ ist, als die verunsichernde Vorstellung, ihn sein zu lassen, werden wir einen Teufel tun, daran irgendetwas zu ändern.

Ein wirklicher Schutz

Ein anderer Schutz, der auf Dauer weniger anstrengend ist und uns weniger einzäunt, entsteht, wenn wir beschließen, seelisch heil zu werden. Wenn wir uns öffnen für unser Inneres, den alten Schmerz und die weit zurück liegenden Verletzungen zulassen, uns selbst lieben und wert schätzen, uns lieben und wertschätzen lassen. Oft geschieht dies, wenn unsere Not, die aus dem oben beschriebenen Schutz entstehen kann, zu groß geworden ist.

An dieser Stelle können zwei Dinge sehr hilfreich sein. Zum einen ist es gut, wenn ein Mensch, der sich für sein Innerstes öffnet, nicht allein ist, sondern jemanden hat, der ihm Halt gibt. Einen tröstenden, beistehende Halt. Ein Halt, der vermittelt: ich bin da, egal, was passiert und ich bleibe, ohne zu werten und zu wollen. Zum anderen kann man an diesem Punkt versuchen, sich für ganz kleine Veränderungen in seinem Leben zu entscheiden, die Entlastung bringen, jedoch nicht die eigene Stabilität anrühren.

Die Heilung des Inneren Kindes ist langfristig gesehen der sicherste Schutz. Kinder, die geliebt werden, sind mit dem bestmöglichen Schutz ausgestattet. Bei schweren Schicksalen finden wir immer Kontaktlosigkeit und einen unterbrochenen Liebesfluss. Ganz praktisch bedeutet das für uns, dass der Kontakt und die Liebe zu unserem Inneren Kind, uns das Gefühl verleiht, geschützt zu sein. Bin ich für mich da, dann bin ich sicherer, offener und kann auch die Liebe und die Sicherheit von den Menschen, die um mich herum sind und mich lieben, besser empfangen. Außerdem geraten Menschen, deren Verletzungen geheilt sind, nicht in Lebenssituationen, in denen sie verletzt oder gedemütigt werden. Liebe, Klarheit und Freude breiten sich aus. Was einst deprimierend und kränkend war, hat keinen Einfluss mehr auf uns. Wir können es liebevoll annehmen oder einfach dort lassen, wo es hingehört.

Ein weiterer Schutz

Ein weiterer Schutz besteht darin, unsere Krieger und Kriegerinnen zu benutzen. Grenzen ziehen. Nein sagen. Unseren Mitmenschen klar signalisieren: hier ist Schluss, bis dahin und nicht weiter. Uns aus Situationen entfernen, die uns nicht gut tun. Stellung beziehen. Feurig, kraftvoll und gefährlich sein und dafür die volle Verantwortung übernehmen. Also nicht andere anbrüllen und ihnen dann die Schuld dafür geben, sondern zu sich stehen, bei sich bleiben. Ruhig mal laut werden, nicht aus dem eigenen verletzt sein heraus, was immer auch den Gegenüber verletzt, sondern aus einer Kraft heraus, die sagt: hier bin ich und das passt mir nicht. Unsere wilden Seiten lieben und diese zu unserem Schutz einsetzen. Grenzen ziehen, doch nicht über die Grenzen unserer Mitmenschen gehen. Nicht andere vernichten wollen, sondern die eigene Kraft zum eigenen Wohle einsetzen. Das ist nicht nur gesund, vitalisierend, schützend und wirkt anziehend, sondern kann sogar richtig Spaß machen.

Über den Autor

Judith Mücke administrator

%d Bloggern gefällt das: